Kommentar
Seit Langem lese ich die Kommentare von Bruno Füchslin, stets mit Interesse und Vergnügen. Sie sind spannend, unterhaltsam und erfreulich verlässlich – insbesondere, was ihren gewissen Wiedererkennungswert betrifft.
Lautstark, aber machtlos (04.09.2026)
von Bruno Füchslin, Kolumnist FVRZ
Nein, ich mag sie nicht, jene Trainer, die sich an der Linie fast pausenlos lauthals einbringen. Und in gesteigerter Form als Zampanos Spielern Positionsbefehle absondern. Viel Spass jenen, die in der Nähe der Spielerbank ihre Fussballarbeit verrichten. Sie stehen immer besonders im Fokus, namentlich dann, wenn der Chef draussen per Glaskugelblick irgendwelche Defensivlücken vermutet. Sind diese verbalen Zuordnungen schlicht Zeichen fehlenden Vertrauens?
Mag sein. Niemand spricht einem Trainer – egal, wie er sich verhält – ab, dass er «sein» Team gewinnen sehen will. Das ist die simpelste Logik aller, die involviert sind. Dass es Spezies gibt, die im Profibereich dem immensen Druck per verbalem Ventil Ausdruck verleihen, ist nicht neu.
Nicht zuletzt haben die WM-Partien höchst interessante Charaktereigenschaften der Seitenlinien-Dirigenten offenbart. Einige eher ältere Persönlichkeiten nahmen weit eher hin, was sich da abspielte. Andere wiederum verwickelten den vierten Offiziellen in übermässig bis permanent viele Diskussionen. Weshalb so und nicht anders. Weshalb anders und nicht so.
Nein, ich mag sie nicht, die Lauthalsen. Aber irgendwie versuch ich dennoch zu verstehen, was sie dazu bewegt, sich so zu verhalten. Und komme immer wieder zum selben Grund: Es ist auch die simple Machtlosigkeit, in den immer unberechenbaren Charakter, in die sprunghafte Dynamik einer Partie korrigierend bis wegweisend eingreifen zu können. Dies auszuhalten und als gegeben hinzunehmen, scheint je nach Typ und dessen Ehrgeiz ein fast unmöglich Ding.
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